Grapefruit-Diät mit drastischen Folgen
Das wäre ein Fall für Dr. House: Durch eine Thrombose verliert eine Frau beinahe ihr Bein. Die Analyse ergibt: Die Pille und eine bis dato unbekannte Genstörung haben ihren Anteil daran. Aber auch Grapefruits.
Der von Dr. Lucinda Grande und Kollegen vom St. Peter Family Medicine im US-amerikanischen Olympia publizierte Fallbericht trug sich im November 2008 zu (Lancet 373 [2009] 1222). Eine 42-Jährige kam wegen Schwierigkeiten beim Gehen, Kurzatmigkeit und Benommenheit in die Notaufnahme. Am Vortag hatte sie eine längere Autoreise unternommen. Danach haben sich Schmerzen bemerkbar gemacht, die vom unteren Rücken in das linke Bein ausstrahlten. Ihr Bein war violett verfärbt. Bei der Anamnese gibt sie an, ein orales östrogenhaltiges Antikontrazeptivum einzunehmen. Drei Tage zuvor hatte sie eine strikte Reduktionsdiät begonnen, die den allmorgendlichen Verzehr von Grapefruits vorsieht – einer Obstsorte, welche die Frau zuvor nur selten gegessen hat.
Blutgerinnsel im Bein
Eine Sonographie bestätigt ein großes, an der Hüfte beginnendes und an der Wade endendes Blutgerinnsel in den Venen des linken Beins. Die Patientin ist akut gefährdet, wegen eines sogenannten venösen Extremitätengangräns (von griech.: gàngraina, „fressendes Geschwür“, hier: Fußbrand) ihr Bein zu verlieren.
Umgehend wird eine Lyse-Behandlung eingeleitet, damit sich das Gerinnsel auflöst. Als das erfolgreich geschehen ist, offenbart sich, dass die Beckenvene im Bereich der linken Hüfte chronisch verengt ist. Deshalb wird ein Stent (Metallprothese, die z. B. zum Offenhalten eingeengter oder verschlossener Arterien und Venen eingesetzt wird) implantiert, schon am gleichen Abend ist das Bein wieder in normalem Zustand.
Faktor-V-Leiden-Mutation
Die Patientin wird im Hinblick auf das Thrombose-Risiko angewiesen, das orale Verhütungsmittel abzusetzen. Sie wird – unter blutverdünnender Medikation – nachhause entlassen.
In ambulant durchgeführten Tests wird eine Faktor-V-Leiden-Mutation festgestellt, eine erblich bedingte Störung, die das Risiko für Blutgerinnsel ebenfalls erhöht.
Grapefruits hemmen Enzyme
Neben den anderen Faktoren hat nach Überzeugung der Autoren auch der Verzehr der Grapefruits eine Rolle gespielt. Sie gehen davon aus, dass dadurch die Aktivität eines Schlüsselenzyms blockiert wurde, das normalerweise das Östrogen wie auch verschiedene andere Medikamente abbaut. Dadurch habe sich das östrogenbedingte Thrombose-Risiko verstärkt.
Grapefruits oder Pampelmusen enthalten jede Menge Vitamine, doch Achtung! Mit einigen Medikamenten können die Früchte Wechselwirkungen eingehen. Auf diese Weise kann es auch verstärkt zu Nebenwirkungen kommen.
Die Früchte hemmen Enzyme, die im Körper für den Abbau von vielen Arzneistoffen verantwortlich sind. Auf diesem Weg können Grapefruits und auch Grapefruitsaft die Wirkung verschiedener Arzneimittel verstärken und zu vermehrten Nebenwirkungen führen.
Arzt oder Apotheker fragen
Betroffen davon können häufig verordnete Medikamente gegen Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Fettstoffwechselstörungen und andere chronische Erkrankungen sein. Bei Orangensaft hingegen wurden bislang keine vergleichbaren Wechselwirkungen beobachtet.
Patienten sollten daher bei ihrem Arzt oder in der Apotheke nachfragen, ob Wechselwirkungen der Medikamente mit speziellen Lebensmitteln auftreten können.
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